MASSNAHMEN GEGEN VERLANDUNG IM KLINGNAUER STAUSEE WERDEN UMGESETZT

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Der Regierungsrat genehmigt Pilotprojekt im Klingnauer Stausee

21. Dezember 2016 – MEDIENMITTEILUNG

Mit einem Pilotprojekt will der Regierungsrat die Verlandung des Klingnauer Stausees verlangsamen und neue Wasserflächen schaffen. Nach der Umsetzung wird ein mehrjähriges Monitoring aufzeigen, wie sich dieser Eingriff tatsächlich auf den Verlandungsprozess und das Lebensraumsystem im Stausee auswirkt. Das Pilotprojekt soll wichtige Grundlagen für ein zukünftiges Verlandungsmanagement liefern. Das Bauprojekt wird dem Grossen Rat aufgrund von diversen Projektverbesserungen noch einmal vorgelegt.

Der Klingnauer Stausee ist aus naturschützerischer wie landschaftlicher Sicht ein wichtiges Gewässer und beliebter Naherholungsraum im unteren Aaretal. Er ist ein international bedeutendes Schutzgebiet für Wasser- und Watvögel. Der Jahrzehnte dauernde natürliche Sedimenteintrag hat aber eine stetige Verlandung des Sees seit seiner Erbauung bewirkt. Als Folge der Verlandung ist das Seevolumen in den letzten 80 Jahren von 7 Millionen m3 auf weniger als 2 Millionen m3 Wasser geschrumpft und die Wasseroberfläche wurde immer mehr zu einer bewaldeten Landfläche. Mit dem nun vom Regierungsrat genehmigten Pilotprojekt werden wichtige Lebensräume gesichert, insbesondere Flachwasserzonen, Schlick- und Schilfbereiche. Die weitere Entwicklung hin zum Wald wird aufgehalten und die fortschreitende Verlandung verlangsamt.

Projektverbesserungen im 2016

Im Frühling 2014 legte das BVU das Bauprojekt zur Erstellung eines Seitenarms zwischen Aarelauf und Gippinger Graben öffentlich auf. Das Bauprojekt sieht eine Entlastung des verlandeten Gebiets am linken Seeufer vor. Umfangreiche tiefenselektive Beprobungen und Laboranalysen des Feinanteils der Sedimente geben ein genaues Bild der stofflichen Belastung. Aufgrund der eingegangenen Eingaben wurde das Bauprojekt in den vergangenen zwei Jahren stark verbessert. Die entsprechenden Projektänderungen wurden im Herbst 2016 noch einmal öffentlich aufgelegt. Neu werden zwei Flachwasserzonen geschaffen und der Seitenarm einseitig ans Hauptgerinne der Aare angeschlossen. Vorsorglich werden, gestützt auf die Empfehlungen der Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), insgesamt 7’500 m3 Sediment in Deponien entsorgt. Es handelt sich dabei um Sedimentabschnitte, deren stoffliche Belastung über den IKSR-Grenzwerten und auch über der bestehenden Hintergrundbelastung des Hochrheins liegt. Das übrige Feinmaterial von 16’000 m3 wird unmittelbar vor dem Zusammenfluss von Aare und Rhein wieder dem Gewässer zurückgegeben, wobei die Rückgabe zum Schutz der Fische nur bei mittleren und hohen Rheinabflüssen erfolgt.
Im Rahmen eines mehrjährigen Monitorings wird untersucht und beurteilt, wie sich der Eingriff auf den Verlandungsprozess und die Lebensräume auswirkt. Das Pilotprojekt wird vom Bundesamt für Umwelt unterstützt. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf zirka 2,9 Millionen Franken brutto.

Vollständige Entsorgung bringt keinen Zusatznutzen

Im Rahmen der öffentlichen Auflage haben sowohl die betroffenen Gemeinden als auch die Umweltverbände positive Stellungnahmen zum Projekt und zu den vorgeschlagenen Verbesserungsmassnahmen abgegeben. Im Vorfeld der Erarbeitung des Pilotprojekts hat sich aber gezeigt, dass der Aargauische Fischereiverband nach wie vor eine vollständige Entsorgung der Sedimente wünscht. Dies würde aus Sicht des Regierungsrates keinen Zusatznutzen mit sich bringen. Die Entsorgungsvariante würde ein Mehrfaches an Lastwagenfahrten produzieren und zu einer deutlich höheren Verkehrsbelastung der betroffenen Gemeinden führen. Dadurch würde die Umweltbilanz des Projekts merklich verschlechtert. Zudem müssten über dreimal so viele Fluss-sedimente im Kulturland entwässert werden, was zusätzliche Fruchtfolgeflächen erster Güte beanspruchen würde.
Das Bauprojekt wird auf Wunsch des Aargauischen Fischereiverbands durch fischökologische Aufnahmen begleitet. Für die Fische werden nebst der Schaffung neuer Wasserflächen im Klingnauer Stausee zusätzlich mehrere 1’000 m3 Kies in den Rhein zugegeben. Diese Kieszugaben leisten einen wertvollen Beitrag zur Geschiebereaktivierung im Hochrhein. Die vollständige Entsorgung der Sedimente hätte auch Mehrkosten zur Folge; diese würden den vom Grossen rat gesprochenen Projektkredit von 2,44 Millionen Franken netto massiv überschreiten.

Keine Mehrkosten durch Projektverbesserungen

Der Regierungsrat wird das Bauprojekt dem Grossen Rat aufgrund der genannten Projektverbesserungen noch einmal zum Beschluss vorlegen. Dies, obwohl die Projektänderungen keine Mehrkosten gegenüber dem bereits bewilligten Kredit zur Folge haben. Der Kanton möchte mit den Bauarbeiten im Sommer 2017 beginnen. Bei guter Wasserführung im Rhein könnte das Bauprojekt bereits im Herbst 2017 abgeschlossen werden.

Hier die Medienmitteilung als PDF.

Weitere Auskünfte für Medienschaffende:
Patrick Rötheli, Leiter Sektion Gewässernutzung, Departement Bau, Verkehr und Umwelt Telefon 062 835 34 50 (erreichbar am Mittwoch, 21. Dezember 2016, von 11.00 bis 12.00 Uhr)

********** «Stellungnahme AFV folgt in den nächsten Tagen!» ***********

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