FORELLENFISCHEN VERBOTEN?

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Forellenfischen verboten?

Bild: Rheinforelle, zvg

Vor einigen Wochen war in der Aargauer Zeitung zu lesen, dass die Bestände an Forellen und Äschen in der Limmat vom Aussterben bedroht sind. Der junge Journalist, der für diesen an sich gelungenen Artikel in die Tasten gegriffen hat, hat mit seiner Schlussfolgerung im Kommentar allerdings einige Empörung unter den Anglern ausgelöst. Der Aargauische Fischereiverband möchte dazu Stellung nehmen.

Im Artikel selber waren keine relevanten Neuigkeiten zu erfahren, sondern der Rückgang an Forellen und Äschen blieb wie gewohnt ein fortwährendes Rätsel.  Die von den Wissenschaftlern geschilderten Probleme wurden wie erwartet als eine komplexe und undurchschaubare Thematik dargelegt. Die Schuldigen wurden dennoch präzise aufgezählt: PKD, Hormone, Wasserkraftwerke, Insektensterben, unmögliche Fischwanderung etc. Nicht ganz überraschend, wurden die fischfressenden Vögel nicht erwähnt.

Temporäres Verbot wäre nicht sinnvoll

Den Vogel hat der Redaktor aber nicht mit dieser vergessenen fedrigen Unachtsamkeit abgeschossen, sondern mit einem ziemlich an den Haaren herbeigezogenen Kausalzusammenhang. Typisch für einen Nicht-Fischer und mit der Konditionierung eines jugendlichen Gutmenschen, muss den armen Fischen schnellstmöglich geholfen werden. Und da die Lösung der echten Probleme, aus seiner Sicht natürlich nicht umsetzbar sind, da es dafür radikale Massnahmen bräuchte (Pestizidverbot, Wasserkraft-Rückbau etc.), gäbe es nur eine Lösung, welche mit paar Tastaturanschlägen einfach umsetzbar wäre. Konkret eine Verschärfung der aus dem Jahre 1991 stammenden Schonbestimmung. Da aber Anpassungen des Mindestmasses oder der max. Fangzahl bei der Mehrheit der Fischer auf offene Ohren stösst oder an diversen Pachtstrecken bereits umgesetzt sind, war dieser Vorstoss nicht der Auslöser der Empörung.

Der folgte mit dem geforderten temporären Verbot der Fischerei auf Forellen und Aeschen für drei Jahre. Als gelungenes Referenzprojekt wird das Äschen-Moratorium (2008-10) aus dem Kanton Bern herbeigezogen. Dass dort die Ausgangslage eine völlig andere war, wird einfach unter den Teppich gekehrt. Auslöser war nämlich ein Jahrhunderthochwasser im 2005, welches nur noch ein oder zwei Äschenjahrgänge überleben liess. Zusätzlich wurde eine Sonderbewilligung für Abschüsse von fischfressenden Vögeln (Kormoran & Gänsesäger!) erteilt. Auch ist die Aare zwischen Thun und Bern in einem deutlich besseren Zustand als die grossen Flüsse im Aargau und so eine zügige Erholung der Salmonidenbestände viel wahrscheinlicher.

Die in diesem Artikel ins Rampenlicht gerückte Meinung, wäre an und für sich nicht der Beachtung wert. Aber leider ist zu befürchten, dass dieses geforderte Fangverbot auch viel besser instruierten Kreisen ins Konzept passen würde. Es käme einer ins Beamtenzimmer fallenden Sternschnuppe gleich, die elegant den Weg des geringsten Widerstandes eben würde.

Gegenwehr obligatorisch – ohne schlechtes Gewissen!

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Fischerinnen und Fischer mit den Gedanken für ein Fischereiverbot auf Forellen/Äschen spielen werden, denn dies käme einer Kapitulation gleich. Sollte es dennoch Abtrünnige geben, wären sie garantiert besser bei einer Umwelt- oder Naturschutzorganisation aufgehoben und könnten die Angelrute frohen Mutes an den Nagel hängen. Es darf einfach nicht sein, dass wieder das schwächste Glied in der Kette die grössten Zugeständnisse machen muss. Die paar Forellen, welche von den Anglern noch mitgenommen werden, spielen garantiert nicht das Zünglein an der Waage. Die Fischer wissen selber am besten, wie es um die Bestände* steht. Wurden in den 80’er Jahren problemlos pro Fischer 10-20 Forellen in der Saison entnommen, sind es heute pro Fischer nicht mal mehr eine halbe Forelle! Dürfen sie dennoch nicht mehr ans Wasser, fehlt die Motivation für ihre unermüdlichen Bemühungen, notabene in Fronarbeit. Die Freude wäre weg und dies mit Bestimmtheit auch zum Nachteil der Gewässer.

Schutzverband – friss oder stirb?

Würde dies von den Naturschutzverbänden unterstützt? Führt man sich als Fischer zum Beispiel die Gesinnung der Vogelschützer vor Augen, ist leider jegliches Gebaren möglich. Denn den Ornithologinnen und Ornithologen ist eine klitzekleine Engstirnigkeit nicht abzusprechen. Wäre es ihnen sonst egal, dass ihre fischfressenden Freunde ein Massaker in den Edelfischbeständen seit Ende der 80’er Jahre angerichtet haben? Diese gefiederten Superräuber haben massiv zugenommen und deren Populationen von Gänsesägern und Kormoranen sind Europaweit total aus dem Ruder gelaufen.

Das heisst im Klartext: Es hat sich ein biologisches Ungleichgewicht zwischen Fischprädatoren und den Edel-Fischen entwickelt. Die nachhaltige Reproduktion von Forellen und Äschen in den Mittellandflüssen ist seit Jahrzehnten nicht mehr gewährleistet.

Letzte Chance

Wir kennen die möglichen Puzzlesteine für eine Verbesserung. Eine Fischwanderung trotz Flusskraftwerken und zu geringen Restwassermengen ermöglichen. Ein Prädatoren Management, welches den Namen auch verdient und damit für einvernehmliche Lösungen im Interessenskonflikt zwischen der Angelfischerei und dem Vogelschutz steht. Die Kläranlagen mit der modernen 4. Reinigungsstufe aufrüsten, welche auch die Micro-verunreinigungen bekämpft, welche für die Nieren -und Pilzkrankheit PKD sowie Saprolegnia Parasitica bei Forellen und Aeschen bei erhöhten Wassertemperaturen verantwortlich zeichnet. Den Fischbesatz mit passendem Genmaterial planen. Pestizid-Verbote, wie die anstehenden zwei Initiativen fordern, möglichst rasch umsetzen und für weitere Hitzesommer relevante Vorarbeiten und Massnahmen mit Gewässervertiefungen und Schatten spendendem Uferbepflanzungen sicherstellen.

Viele dieser Aufgaben werden von Fischerinnen und Fischern seit Jahren mit viel Herzblut tatkräftig angegangen. Nun erwarten wir eine ausserordentliche Unterstützung der Kantone und Politik in den grossen Themen – und kein Rohrkrepierer mit einem Fangverbot. Eine kleine Hoffnung bleibt, aber ohne weitere Kompromisse seitens Fischer.

* Besorgniserregende Fangzahlen des FV Zurzach am Rhein als Download hier

 

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4 Kommentare

  1. Ich finde, dass auch wir Fischer unseren Beitrag zum massiven Rückgang der Forellen und Äschen beitragen können. Resultat des Berner Äschenmoratoriums nach 3 Jahren war eine sehr schöne Entwicklung der Bestände, allerdings fuhr die halbe Schweiz an die Berner Aare angeln. Der schöne Bestand brach nach einer Saison wieder völlig ein. Ziel erreicht?

    Vielmehr wünschte ich mir die Einführung von kräftigen Fangzahlbeschränkungen und Erhöhung des Mindestmasses oder Einführung von Fangfenstern, wie es an anderen Gewässern mit Erfolg umgesetzt wird. Es kann doch nicht sein, dass ich pro Tag 6 Äschen entnehmen darf – täglich!

    Dass der Besatz mit Thurgauer Forellen und Äschensömmerlingen bei uns nicht klappen kann, war mir schon vor den beiden Genstudien mehr als klar. Schön wurde dies nun erkannt. Interessant wäre zu erfahren, was die aktuellen Pläne sind, um lokales Genmaterial in unsere Gewässer zu bringen.

    Immer nur klagen, dass es immer schlechter wird, aber es ist die Zeit gekommen, dass wir Fischer uns von Altem lösen und neue Wege gehen und unseren Beitrag hier auch leisten und auf Kompromisse eingehen.

    • Unseren Beitrag leisten, ist selbstverständlich. Strengere Schonmasse, Bag-Limits etc. sind für die Mehreit der Fischer kein Problem, falls überhaupt noch was „limitiert“ werden kann. Trotzdem gilt es festzuhalten, dass die Zeit des Widerstandes gegen die anderen Ursachen mit einer Überzeugung angegangen wird, ohne uns mit einem schlechtem Gewissen zu schwächen – denn das ist auch Tem­pi pas­sa­ti..

      • Die genannten Massnahmen zu den Themen Fischwanderung, Renaturierung, Predatorenmanagement und Kampf gegen Pestizide im Wasser sind klar unbestritten.

        Aber was geschieht nun aktuell bezüglich dem Besatz von genetisch optimalen Material konkret nachdem die Empfehlungen gesprochen wurden?

        Die Frage ist nicht ob verschärfte Schonmassnahmen oder Limiten von den Fischer akzzeptiert würden sondern wann sie umgesetzt werden.

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